in Evaluierung
LoRa Mesh
Angetreten sind wir mit einer Idee: local-first Peer-to-Peer-PWAs, die über ein LoRa®-Mesh weiterlaufen, wenn Internet oder Stromnetz ausfallen — und an Orten, die beides nicht haben. Die Messungen entschieden anders. Der Funkkanal trägt genug für Handshakes und einzelne signierte Ereignisse, nicht für die Daten alltäglicher Anwendungen und nicht als Ausfall-Fallback. Was die Arithmetik übersteht, ist schmal, aber real.
Ergebnisse
- Durchsatz: Schon eine Todo-Liste mit drei kurzen Einträgen repliziert spürbar zäh — und der Funk ist nur die halbe Erklärung. Der Testaufbau nutzte OrbitDB mit abgeschaltetem Netzwerk-Sync: Der Kurier trägt die content-adressierten Blöcke selbst und schleust sie am IPFS-Netzwerk vorbei direkt in den lokalen Blockstore ein. Der Erstkontakt ist das Schwergewicht — Manifest, Access-Controller, Identität und Einträge reisen als Block-Bootstrap von einigen Kilobyte, gzip halbiert sie etwa —, und auch danach halten Signaturen und Identitätsverweise jeden Eintrag bei hunderten Bytes. Darüber liegt die Duty-Cycle-Grenze (EU 868: ~6 Minuten Sendezeit pro Stunde). Der Kurier selbst funktioniert — gebaut und getestet in funkpost, am 4. September 2026 erstmals über ein echtes LoRa-Mesh zwischen zwei unabhängigen Knoten gelaufen, je ein Desktop-Browser auf beiden Seiten — aber Standard-Büroanwendungen scheiden aus. Der Aufbau lässt sich live ausprobieren: Die Demo repliziert eine Todo-Liste über das Mesh — oder mit ?mesh=bc über zwei Browser-Tabs, ganz ohne Funkgerät.
- Als Fallback bei Internet- oder Stromausfall im Prinzip ungeeignet: Jeder Teilnehmer bräuchte Funk-Hardware, und die Datenrate trägt den Normalbetrieb einer Anwendung nicht.
- Plattform: Web Bluetooth läuft nur in Chromium auf Android und Desktop — kein iOS-Browser; unter iOS ginge nur eine native App. Gerätestreuung ist real — aber das meiste, was danach aussah, lag an uns. Die Bluetooth-Schicht des Browsers meldet einen fehlgeschlagenen Funk-Schreibvorgang als verlorene Verbindung, und Funkpost antwortete darauf, indem es eine Verbindung schloss, die in Wahrheit noch stand — immer wieder, bis es aufgab; Android Chrome provoziert solche Schreibvorgänge bereitwillig, ein GrapheneOS-Telefon selten, daher der scheinbar große Unterschied zwischen den Geräten. Jetzt wird erst geprüft und dann der Datenweg über genau die Verbindung repariert, die nie abgerissen ist. Wirklich gerätespezifisch bleibt weniger: ein Samsung Fold, das den Knoten nicht immer überhaupt auflistet.
- Verbreitung: Kaum jemand trägt heute einen Funkknoten. Das ist weniger ein Urteil als die eigentliche Entwurfsaufgabe: Kommerzielle Anwendungen brauchen Ideen, die beides zugleich leisten — die Knoten verbreiten und einen Nutzen bieten, der das Mittragen rechtfertigt. Ein Anwendungsfall mit klarem Alleinstellungsmerkmal verteilt seine Hardware selbst.
Was bleibt
Ein Kurier für kleine, seltene, wertvolle Nutzlasten. Der Signalisierungs-Handshake aus Design-Issue #161 passt in zwei Frames, ein einzelnes signiertes Ereignis — eine Buchung, eine Übergabebestätigung — in wenige. Wo Minuten Latenz tragbar sind und Infrastruktur fehlt, bleibt das Modell stimmig — und Metadaten, die nie entstehen, können nicht abfließen.
Die zweite Datenebene dafür existiert bereits: ein Yjs-Provider in funkpost, dessen Updates zehn Byte statt Kilobyte messen — ohne Access-Control-Listen, ohne IPFS-Blöcke. Als Nächstes entsteht darauf ein Terminplanungs-Beispiel, positioniert nicht als Fallback für Internetausfälle, sondern als alternativer Pfad: ein Weg, Termine in bestehende Planungstools zu synchronisieren, der Metadaten gar nicht erst erzeugt.
Der Zuschnitt der Daten entscheidet, was überhaupt funkt. Der Salon sendet keinen Terminplan, sondern Regeln plus eine Belegt-Maske — ein Bit pro Slot, drei Wochen in rund 112 Bytes, ein Frame, egal wie voll der Kalender ist. Freie Slots berechnet jedes Gerät lokal, das Stöbern kostet keine Funkzeit. Yjs trägt genau eines, und es sind nicht die Termine: es trägt die Regeln des Salons, geschrieben von einer Handvoll fester Geräte, wo Zusammenführen wirklich hilft. Die Buchungen liegen daneben in einem Log signierter, unveränderlicher Einträge — denn ein Yjs-Dokument grüßt seine Gegenstellen mit einer Zusammenfassung, die mit jedem je schreibenden Autor wächst: nach tausend Kundinnen rund sechs Kilobyte, dreißig Frames, und sie schrumpft nie wieder. Der Gruß des Logs ist ein kleiner Fingerabdruck pro Tag, in jeder Größenordnung gleich groß, und er vergisst den letzten Monat, statt ihn für immer zu behalten. Was gar nicht auf den Funk gehört, ist genauso bewusst gewählt — der Storno-Token (er lebt im .ics-Link, ins Dokument geht nur der abgeleitete Public Key), die .ics-Datei selbst, und das Urteil über einen umkämpften Slot, das jedes Gerät beim Lesen identisch berechnet. Konvergenz ist noch keine Einigung — also wird Einigung gerechnet, nicht gefunkt.
Technische Grundlagen
- funkpost — der Byte-Kurier selbst: Framing, ARQ und Duty-Cycle-Pacing über Meshtastic®-Funkgeräte — zwei Datenebenen gebaut (OrbitDB und Yjs), Signalisierungsebene entworfen; Live-Demos.
- webrtc-qr — die Bibliothek: Zwei Geräte verbinden sich über einen gescannten Code — ohne Signalisierungsserver.
- qr01 — das Tutorial-Kapitel dazu: Eine Todo-Liste wandert per gescanntem Code von Handy zu Handy — über einen WLAN-Hotspot, ganz ohne Internet.
- die Demonstratoren — beide laufen im Browser: eine Todo-Liste, die über das Mesh repliziert (OrbitDB), und ein Terminbuch für den Laden um die Ecke (Yjs). Mit ?mesh=bc vertreten zwei Browser-Tabs die Funkgeräte; ein Meshtastic®-Knoten über Web Bluetooth macht es real.
Austausch
Wir teilen Messwerte und den Testaufbau. Wer in derselben Nische arbeitet — Meshtastic-Praktiker, Forschende, Local-First-Entwickler — ist willkommen.
Kontakt aufnehmen — kontakt@le-space.de Telegram · @lfp2p X · @le_space_beta
Im Mesh sind wir erreichbar unter le-space.de e45c, YSGs0MrcH9QOcAlIxvYkJWaV64AvKgx/tXS27SiCzXM=
Identifizierend ist der öffentliche Schlüssel; Knotennamen vergibt der jeweilige Betreiber. Der Knoten funkt in der EU-868-Region und ist mobil — erreichbar dort, wo aktuell ein Mesh in Reichweite ist.
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